Erste Falle: Das Verschwinden des Selbstverständlichen
„Die Tilgung“
Was Experten für selbstverständlich halten, bleibt für andere eine Blackbox.
Menschen lassen automatisch Informationen weg, die ihnen selbstverständlich erscheinen. Psychologen nennen das Tilgung. In der Prozessdokumentation führt das zu unvollständigen Anweisungen, die nur für Eingeweihte verständlich sind.
Nehmen Sie die Aktivität "Die Rechnung wird erstellt."
Was fehlt hier alles?
• Wer erstellt die Rechnung konkret?
• Mit welcher Software?
• Welche Angaben müssen enthalten sein?
• Wo werden die Daten geholt?
• An wen wird sie gesendet?
• Was passiert bei Fehlern?
Der Experte hält dies für implizite "Details". Für den Ausführenden sind es kritische Informationen.
In der Praxis heißt das: Solche sprachlichen Lücken machen Prozesse personenabhängig. Neue Mitarbeiter verlieren Zeit mit Rückfragen, und Wissen geht beim nächsten Personalwechsel verloren.
Genau deshalb braucht es eine präzise Prozessbeschreibung, die auch für neue Mitarbeiter ohne Zusatzwissen verständlich bleibt.
Zweite Falle: Wenn Vermutungen zu Wahrheiten werden
„Die Verzerrung“
Wie Annahmen zu falscher Sicherheit und teuren Fehlentscheidungen führen.
Menschen interpretieren Zusammenhänge, auch wenn keine eindeutigen Beweise vorliegen. Diese Verzerrung schafft in Prozessbeschreibungen gefährliche Annahmen:
"Durch die wöchentliche Datensicherung ist das System geschützt" Führt eine Datensicherung automatisch zu Schutz?
• Was ist mit Ransomware, die auch die Backups verschlüsselt?
• Was ist mit Hardwareausfällen während der Sicherung?
• Wurde die Wiederherstellung getestet?
"Zufriedene Kunden beschweren sich nicht" Bedeutet das umgekehrt, dass ausbleibende Beschwerden für Zufriedenheit sprechen? Viele unzufriedene Kunden wechseln einfach stillschweigend.
Diese Verzerrungen schaffen falsche Sicherheit in kritischen Bereichen.
Für die Praxis heißt das: Wenn Annahmen als Tatsachen dokumentiert werden, entsteht falsche Sicherheit. Im Audit oder im Ernstfall fliegt genau das auf – mit hohen Kosten.
Dritte Falle: Einzelfälle als Gesetze
„Die Generalisierung“
Warum Regeln aus Einzelfällen Prozesse unflexibel und riskant machen.
Menschen machen aus wenigen Beobachtungen allgemeine Regeln. Diese Generalisierung führt zu starren Prozessen, die bei Abweichungen versagen:
"Externe Dienstleister benötigen drei Werktage Vorlauf" Basierend auf Einzelerfahrungen wird eine absolute Regel gemacht ohne Ausnahmen zu berücksichtigen.
• Was passiert bei Notfällen?
• Bei einfachen Tätigkeiten?
• Bei bewährten Partnern?
"Kunden zahlen grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen" Eine Generalisierung, die das Mahnwesen vernachlässigt und Liquiditätsplanung gefährdet.
Problem in der Praxis: Starre Regeln, die auf Einzelfällen beruhen, bremsen Ihr Unternehmen. In Notfällen oder bei Abweichungen führt das zu Verzögerungen und Frust bei Kunden.